Gregory Porter

Gregory Porter - Support: Okan Ersan & Noise Adventures

Gregory Porter
Es gibt nur wenige Künstler, die es schaffen, Musik zu machen, die zeitlos und zugleich doch vollkommen zeitgenössisch ist. Der Sänger und Songwriter Gregory Porter gehört ganz sicher in diese Kategorie. Mit “Take Me To The Alley”, dem heißerwarteten Nachfolger seines sensationellen Blue-Note-Debüts “Liquid Spirit”, festigt er nun seinen Ruf, der beeindruckendste Jazzsänger und Songwriter seiner Generation zu sein. In seiner erstaunlichen Karriere hat Porter immer wieder seine Fähigkeit gezeigt, Genregrenzen zu überschreiten und Hörer jeglicher musikalischer Couleur zu erreichen. Die Musik des neuen Albums spiegelt wider, wie sehr Porter in der jüngeren Vergangenheit, in der er wegen seines enormen internationalen Erfolgs fast pausenlos auf Tournee war, als Künstler und Mensch gewachsen ist. Erst kürzlich zog der Sänger mit seiner Familie von Brooklyn zurück in seine Heimatstadt Bakersfield in Kalifornien, um wieder näher bei seinen Geschwistern zu sein. “Die Intensität des Tourneelebens hat in mir das Verlangen nach mehr Bodenständigkeit geweckt”, erklärt er den Schritt. Nach “Liquid Spirit” – dem meistgestreamten Jazzalbum der Gegenwart, für das Gregory Porter hochgelobt und das mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde (Grammy für das beste Jazzvokalalbum) fand er im Herbst 2015 endlich die Zeit, ins Studio zurückzukehren, um ”Take Me To The Alley” aufzunehmen. Wie schon bei den drei vorherigen Alben, tat er sich auch diesmal mit dem Produzenten Kamau Kenyatta zusammen, um eine Kollektion von beeindruckenden Originalen zu erschaffen, in der er sich ebenso mit persönlichen Dingen wie mit politischen Themen auseinandersetzt. Auch sonst verlässt sich Porter wieder auf vertraute Gefährten: Denn Pianist Chip Crawford (der zusätzlich als musikalischer Leiter der Band agiert), Trompeter Keyon Harrold, Altsaxophonist Yosuke Sato, Tenorsaxophonist Tivon Pennicott, Bassist Aaron James und Schlagzeuger Emanuel Harrold wirkten schon an der Einspielung seiner beiden letzten Alben mit. Neu dabei sind hingegen die Sängerin Alicia Olatuja und der tschechoslowakische Hammond-Organist Ondřej Pivec. Inspiriert zu diesem Album wurde Gregory Porter u. a. von seiner Familie: Die unglaubliche Liebe, Aufmerksamkeit und Ermunterung, die Gregory stets von seiner verstorbenen Mutter Ruth zuteil wurde, prägt die heitere Ballade “More Than A Woman”, “In Heaven”, geschrieben von Gregorys Kusine Darlene Andrews, ist ein optimistisches Lied, das die Porters oft sangen, wenn sie von einem verstorbenen Familienmitglied Abschied nehmen mussten, zwei Songs widmet er seinem Sohn Demyan. Aber auch gesellschaftspolitische Kommentare, wie sie Porter früher schon in Songs wie “1960 What?” und “Musical Genocide” abgegeben hatte, spielen in der Arbeit des Sängers nach wie vor eine integrale Rolle. Teilweise motiviert wurde er zu “Take Me To The Alley“, einmal mehr durch seine Mutter, die Bedürftigen oft Essen und Unterkunft bot. Porter singt, dass man die kollektive Energie, die man in den Empfang solcher Würdenträger (Papstbesuch in New York) steckt, besser den Armen und Unterdrückten widmen sollte. In anderen Songs ruft er zum energischen, aber gewaltfreien Protest gegen die vielen Ungerechtigkeiten auf. Seine romantische Ader lebt Porter in anderen Songs aus. Etwa in dem schwelenden Stück “Consequence Of Love”, einer Midtempo-Ballade, die von der Kraft und Irrationalität der Liebe handelt. “Liebe hat ihre eigenen Regeln. Aber manchmal stellen wir uns ihr, beeinflusst von politischen und ethnischen Differenzen oder pubertärem Denken, in den Weg. Wann immer zwei Menschen sich lieben, sollte man sie einfach lassen”, sagt Porter. Auf “Take Me To The Alley” präsentiert sich Gregory Porter als vielseitiger, einfühlsamer Sänger und Songwriter, der mit beiden Beinen fest im Hier und Heute steht, dabei aber gleichzeitig das Erbe des klassischen Jazz und Soul pflegt. Lassen wir uns überraschen, welche Seiten er auf der Forumbühne zeigt… Der Sänger vertraute bei der Einspielung von “Liquid Spirit” erneut auf die Musiker, die schon auf den beiden vorangegangenen Alben den Kern seiner Band bildeten: Pianist Chip Crawford, der auch als musikalischer Direktor fungiert, Schlagzeuger Emanuel Harrold, Bassist Aaron James, Altosaxophonist Yosuke Sato und Tenorsaxophonist Tivon Pennicott. Bei einigen Stücken verstärkte Porter die Band um Trompeter Curtis Taylor und Organist Glenn Patscha. Alte Bekannte des Sängers sind auch Produzent Brian Bacchus sowie der Arrangeur und Koproduzent Kamau Kenyatta. “Ich habe mir nicht gesagt: ‘Okay, nun bin ich bei Blue Note Records, jetzt werde ich versuchen, wie Freddie Hubbard zu klingen’”, erklärt Porter. Ich habe mir für dieses Album keinen besonderen Plan zurechtgelegt.” Er wollte einfach nur, dass das Album so organisch wie nur möglich klingt. Und dieses Ziel, da war er sich sicher, erreichte er eher mit einem seit Jahren eingespielten Team als mit einer aus Stars zusammengewürfelten Band. Porter verfügt über eine der fesselndsten und souligsten Baritonstimmen der Gegenwart. Er schafft es, einem die Emotionen und den Geist jedes erdenklichen Songs zu vermitteln, ohne auf theatralische Tricks zurückgreifen zu müssen. In der New York Times schrieb Kritiker Nate Chinen: “Gregory Porter besitzt das meiste von dem, was man sich bei einem Jazzsänger wünscht, und vielleicht noch ein paar Dinge, von denen man gar nicht wusste, dass man sie sich wünscht.” Voll des Lobes ist auch Porters Kollege Kurt Elling: “Ich bin sehr zuversichtlich, was Gregory Porters Karriere anbelangt. Er klingt wunderbar und hat ein wirklich tolles Konzept. Es freut mich zu hören, wie er sich entwickelt, und zu sehen, dass er Anerkennung findet und Gelegenheit erhält, seine kreativen Flügel auszubreiten.” Jazzdiva Dee Dee Bridgewater pries Porter in der JazzTimes mit den folgenden Worten: “Einen Sänger wie ihn haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Er ist so ein wundervoller Songschreiber. Er erzählt einfach großartige Geschichten.” Und damit hat sie recht. Porter besitzt tatsächlich eine erstaunliche Begabung dafür, ergreifende Songs, die auf persönlichen Erlebnissen basieren, mit einer vertraut wirkenden und emotionalen Direktheit zu schreiben. Mehr noch: seine eingängigen Melodien gehen einem sofort ins Ohr. Auf “Liquid Spirit” setzt sich Porter mit ähnlichen Themen auseinander wie auf seinem Debütalbum “Water”: die Lieder handeln von romantischen Höhen und Tiefen, seiner Kindheit und soziopolitischen Beobachtungen. Darüber hinaus interpretiert er hier auf seine unverkennbar eigene Art auch drei Klassiker: Dobie Grays Motown-Hit “The ‘In Crowd”, “Lonesome Lover” von Abbey Lincoln und Max Roach sowie den Jazzstandard “I Fall In Love Too Easily” aus der Feder von Jule Styne und Sammy Cahn. “Ich versuche, auf jedem Album etwas von den Leuten einzubringen, die mich zutiefst beeinflusst haben. ‘Lonesome Lover’ ist meine Liebeserklärung an Abbey Lincoln”, verrät Porter. Gregory Porter kam 1971 im südkalifornischen Bakersfield zur Welt, wo er durch seine Mutter, die ein Kirchenamt bekleidete, früh mit Gospelmusik in Berührung kam. Einen weiteren wichtigen Einfluss auf seine musikalische Entwicklung übte auch die umfangreiche Nat King Cole-Plattensammlung seiner Mutter aus. Trotz seiner Liebe zur Musik wollte Gregory, ausgestattet mit einem Football-Stipendium für die San Diego State University, ursprünglich eine Sportkarriere einschlagen. Doch eine Schulterverletzung beendete diese Pläne vorzeitig. Und so begann sich Porter - unter den Fittichen seines Mentors Kamau Kenyatta - ganz auf die Musik zu konzentrieren. Als Kenyatta 1998 in Los Angeles das Album “Remembers The Unforgettable Nat King Cole” des Flötisten Hubert Laws produzierte, lud er den glühenden Nat King Cole-Fan Porter ins Studio ein. Dort hörte ihn Laws zufällig den Charlie-Chaplin-Klassiker “Smile” singen und war so begeistert, dass er ihn spontan bat, an den Aufnahmesessions teilzunehmen. Ein weiterer glücklicher Zufall war, dass damals auch Hubert Laws Schwester Eloise im Studio vorbeischaute und Porter in Aktion erlebte. Die Sängerin sollte wenig später eine Rolle in dem neuen Musical “It Ain’t Nothin’ But The Blues” übernehmen und empfahl den Produzenten Gregory Porter für die männliche Hauptrolle. Nach der Premiere am Broadway bezeichnete die New York Times den damals noch unbekannten Porter als “stimmliches Kraftpaket”. Die Show wurde im selben Jahr für vier Tony Awards und drei Drama Desk Awards nominiert. Dennoch musste man gut zehn Jahre auf Gregory Porters erstes Album “Water” warten, das dann gleich für einen Grammy nominiert wurde. Noch beeindruckender gelang ihm 2012 sein zweites, ebenfalls für einen Grammy vorgeschlagenes Album “Be Good”. “Porter fusioniert Jazz und Soul besser als alle seine zeitgenössischen Kollegen”, meinte das US-Magazin Soul Tracks und ernannte “Be Good” gleich im Januar zum potentiell besten Album des Jahres. Obwohl Porter inzwischen mit Stars wie Van Morrison, Wynton Marsalis, Herbie Hancock, Dianne Reeves, Nicola Conte und David Murray die Bühne teilte oder im Aufnahmestudio war, hat er die Bodenhaftung nicht verloren. “Ich habe das alles noch gar nicht so richtig verarbeiten können”, gesteht er. “Vor allem die Zusammenarbeit mit musikalischen Ikonen wie Wynton und Herbie. Sie haben mich mit so offenen Armen aufgenommen. Damit hätte ich noch vor zwei Jahren nicht in meinen kühnsten Träumen gerechnet.” Mit der Veröffentlichung von “Liquid Spirit” hat Gregory Porter zu einem neuen Karrierehöhenflug angesetzt.